Zeitthemen

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Themen der Zeit – MGH im Gespräch mit Dirk Neubauer

 

„DAS PROBLEM SIND WIR

 – ein Bürgermeister in Sachsen kämpft für die Demokratie“

Lesung & Diskussion

mit Dirk Neubauer (Bürgermeister von Augustusburg)

am Freitag 26.02.2021 um 18:00 Uhr

Das Mehrgenerationenhaus Riesa (MGH) hat in Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie in Riesa die Veranstaltungsreihe „Themen der Zeit – MGH im Gespräch mit …“ entwickelt. Ziel des Formats ist es Diskussionsanstöße für die Riesaer Öffentlichkeit zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und Fragen, angeregt durch Impulse entsprechender, auch kritischer, ExpertInnen zu schaffen. Die erste Veranstaltung wird aus gegebenem Anlass digital, d.h. in einer öffentlichen Videokonferenz (via Zoom) stattfinden. Interessierte BürgerInnen können sich am 26.02.2021 ab 17:30 Uhr (Veranstaltungsbeginn 18:00 Uhr) live dazuschalten und Fragen stellen/ Impulse geben. Technische Voraussetzungen bilden ein Computer oder Laptop sowie eine schnelle und stabile Internetverbindung. Für die Teilnehmenden, die mit Zoom nicht vertraut sind, wird auf der Webseite eine Schritt-für-Schritt Anleitung angeboten.  Die Teilnehmerzahl ist aus technischen Gründen auf 100 begrenzt. Das Gespräch wird aber aufgezeichnet und anschließend unter www.sprungbrett-riesa.de/zeitthemen öffentlich zugänglich gemacht.

Zum Auftakt dürfen wir Dirk Neubauer begrüßen. Der 1971 geborene Hallenser schlug 1993 zunächst den Weg in den Journalismus ein und war rund zehn Jahre als Reporter und später Geschäftsführer eines lokalen Fernsehsenders tätig. Nach zwei Jahren als Marketingchef bei MDR Jump und Sputnik wechselte er in die Selbstständigkeit. 2013 trat er zur Bürgermeisterwahl in Augustusburg an, weil er gegen die Intransparenz, Politikverdrossenheit und das Gefühl der Verlorenheit in seiner Stadt aktiv werden wollte. Er wurde gewählt. In seinem 2019 im DVA-Verlag erschienenen Buch „Das Problem sind WIR – ein Bürgermeister in Sachsen kämpft für die Demokratie“ beschreibt er sehr nachvollziehbar und in verständlich einfachen Worten seine Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erkenntnisse als Mensch, der mit Herz und Seele für ein funktionierendes Gemeinwesen kämpft, Menschen beteiligen will und den offenen demokratischen Diskurs in der Kommunalpolitik sucht. Dabei stößt er auf Befindlichkeiten und viel Bürokratie in allen Ebenen des politischen Alltags und auf BürgerInnen, die sehr wohl die Schieflagen in der momentanen Gesellschaft und Politik spüren und auch artikulieren. „Leider, so schreibt er, fällt das momentane politische Beben in eine Zeit, in der Fakten oft nichts und Inhalte noch weniger zählen und in der das Meckern auf der bequemen Couch mehr wiegt als mühsames Verändern. So verwandelt sich Wut in eine sehr gefährliche Waffe.“ Die Ursachen für eine solche Haltung sieht er in erster Linie im völlig falschen Politikansatz der letzten Jahre. Politik suggeriere sehr oft, dass sie die Probleme der BürgerInnen aufnehmen und sich kümmern werde. Politik versorgt ohne zu beteiligen. Dieses „Sich Kümmern“ der Politik, so sein Fazit, hat nicht zur Aktivierung und Eigenverantwortung der BürgerInnen beigetragen und somit das Rückgrat der Demokratie stark geschwächt. Mit interessanten Formaten versucht er in der Kleinstadt Augustusburg Wege einer aktiven Bürgerbeteiligung zu gehen. In seinem Buch reflektiert er auch über mögliche Ursachen, warum gerade im Osten mehrheitlich BürgerInnen das Gefühl des Verlierers und des Fremdbestimmt seins haben und führt dies auf gravierende politische Fehler nach 1989 zurück. Als erfahrener Journalist beschreibt er die neuen Gefahren und Herausforderungen durch die digitalen Netzwerke, in denen sich nur Gleichgesinnte gegenseitig bekräftigen, nicht der auf sauberen Quellen basierende Diskurs gesucht wird und so ein spaltendes Freund-Feind-Denken entsteht.

Der letzte Abschnitt im fünften und letzten Kapitel trägt die Überschrift: „Wir sind eine Gesellschaft in Ausbildung, nicht nur im Osten.“  Er ist überzeugt, dass das politische System – entgegen landläufiger Meinung – von innen heraus zu verändern ist, und dass wir wieder lernen können, was es heißt, Eigenverantwortung zu tragen, statt sie an den Staat abzugeben.

Ein spannendes und lesenswertes Buch. Die von Dirk Neubauer aufgeworfenen gesellschaftlichen Fragen und Thesen, dürften angesichts der zu erwartenden finanzpolitischen Nachwirkungen der Corona-Krise noch drängender werden. Sie  könnten aber auch Handlungsalternativen aufzeigen, um die Krise als Chance zur Korrektur bisheriger Fehlentwicklungen zu nutzen. Grund genug für die Organisatoren mit Dirk Neubauer Kontakt aufzunehmen und im Gespräch mit ihm und interessierten RiesaerInnen, egal welcher politischen und religiösen Richtung direkt zu sprechen.

 

Schauen Sie vorbei und lassen Sie sich einladen zu einem spannenden Gespräch mit Dirk Neubauer.

Posted on: 5. Februar 2021Kunze

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