Zeitthemen

Zeitthemen

 

Themen der Zeit – MGH im Gespräch über das Thema „Kinderrechte in Zeiten von Corona – mit Susann Rüthrich (u.a.)“

 

Freitag 20.08.2021 von 13 – 15 Uhr

 
 

Manche Corona-Entscheidung hätte anders ausgesehen
„Sprungsbrett“-Podiumsdiskussion fordert stärkere Einbeziehung von Kindern und
Jugendlichen
Als im vergangenen Schuljahr wegen Corona Schulen und Kitas schlossen, war für Viele
nachvollziehbar, dass nur so der Kollaps des Gesundheitssystems verhindert werden konnte. Kinder
und Jugendliche wurden von Heute auf Morgen aus ihrem sozialen Beziehungsgefüge
herausgerissen, ihr Leben verlor seinen gewohnten Rhythmus, nicht Wenige fühlten sich sehr allein
gelassen.
Andreas Näther vom Riesaer Verein“Sprungbrett e.V.“ verwies in einer kürzlichen digitalen
Podiumsdiskussion um „Kinderrechte und Corona“ auf inzwischen unübersehbare seelische
Störungen junger Menschen. Da ist die Rede von Drogen als Ersatz, gar von Suiziden. „Wir brauchen
eine Planung dazu, wie die emotionalen Langzeitfolgen begleitbar sind!“, forderte der langjährige
Sozialarbeiter. Es gehe um Schutz, Förderung und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an
staatlichen Entscheidungen, unterstrich Susanne Rüthrich, die ab November dieses Jahres als
Kinderbeauftrage des Landes Sachsen fungieren wird. Schon lange bemüht sie sich als SPDBundestagsabgeordnete darum, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern – gerade auch das Recht
auf Beteiligung, wenn Kinder und Jugendliche selbst Betroffene sind. Sie ist sich sicher – wäre dieser
Schritt schon gelungen, hätte manche Corona-Entscheidung anders ausgesehen. Insbesondere bei
Verlängerungen von Schließungen, so Andreas Näther, wäre der Blick auf Langzeitfolgen nötig
gewesen – und eventuell auch möglich, hätte man die Betroffenen selbst gehört.
Dr. Stephan Gerbig schließlich vom Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin verwies darauf,
dass die UN-Kinderrechtskonvention seit fast 30 Jahren in Deutschland bereits bindendes Recht
darstellt. Demnach ist das Wohl des Kindes bei allen staatlichen Entscheidungen ein Gesichtspunkt,
der vorrangig zu berücksichtigen ist. Nur sei beispielsweise im Gegensatz zum Datenschutzgesetz
jenes Gesetz zum Schutz, zur Förderung und Beteiligung der Kinder noch immer weitgehend
unbekannt. Die Einbeziehung von deren Anliegen in Corona-Fragen sei geradezu sträflich
vernachlässigt worden, monierte Susanne Rüthrich. Was jetzt in Anbetracht knapper Kassen durch
Corona nicht passieren dürfe, sei, an den Menschen zu sparen und soziale Angebote und
Anlaufpunkte wegbrechen zu lassen. „Das“, so Rüthrich, „würde die Folgen noch verschlimmern.“

NEUE VERANSTALTUNG

 

Themen der Zeit – MGH Riesa im Gespräch über das Thema „Häusliche Gewalt“

 

am Freitag 30.04.2021 um 18 Uhr  

 

Das Mehrgenerationenhaus Riesa (MGH) lädt in Kooperation mit der Partnerschaft für
Demokratie in Riesa zum zweiten Online-Gespräch der Veranstaltungsreihe „Themen
der Zeit – MGH Riesa im Gespräch“ ein. Ziel des Formats ist es Diskussionsanstöße
für die Riesaer Öffentlichkeit zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und
Fragen, angeregt durch Impulse entsprechender, auch kritischer, Expertinnen und
Experten zu schaffen.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich am 30.04.2021 unter
www.sprungbrett-riesa.de/zeitthemen ab 17:00 Uhr (Veranstaltungsbeginn 18:00 Uhr)
live dazuschalten, dem Gespräch folgen, aber auch selbst Fragen stellen und Impulse
geben. Das Gespräch wird aufgezeichnet und anschließend unter www.sprungbrett-riesa.de/zeitthemen öffentlich zugänglich gemacht. Technische Unterstützung
bekommen Sie ab 17:00 Uhr unter 03525/ 518678.
In Bezug auf die Folgen des Lockdowns wurde das Thema häusliche Gewalt zeitweise
oberflächlich in den Medien behandelt. Um diesem dringenden gesellschaftlichen
Problem mehr Öffentlichkeit zu geben sind zur zweiten „Themen der Zeit“ –
Veranstaltung drei Expertinnen und Experten geladen. Eine Vertreterin der Beratungs-
& Interventionsstelle für häusliche Gewalt Radebeul, die Beauftragte für
Gleichstellung, Frauen, Migration und Integration des Landkreises Meißen, sowie der
Leiter des Polizeireviers Riesa diskutieren unter anderem über häusliche Gewalt in
Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und die gegenwärtigen Strukturen in
Bezug auf Hilfe für Betroffene. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung
sind herzlich dazu eingeladen Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen zu schildern
sowie Denkanstöße zu geben.

Themen der Zeit – MGH im Gespräch mit Dirk Neubauer

 

„DAS PROBLEM SIND WIR

 – ein Bürgermeister in Sachsen kämpft für die Demokratie“

Lesung & Diskussion

mit Dirk Neubauer (Bürgermeister von Augustusburg)

am Freitag 26.02.2021 um 18:00 Uhr

Das Mehrgenerationenhaus Riesa (MGH) hat in Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie in Riesa die Veranstaltungsreihe „Themen der Zeit – MGH im Gespräch mit …“ entwickelt. Ziel des Formats ist es Diskussionsanstöße für die Riesaer Öffentlichkeit zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und Fragen, angeregt durch Impulse entsprechender, auch kritischer, ExpertInnen zu schaffen. Die erste Veranstaltung wird aus gegebenem Anlass digital, d.h. in einer öffentlichen Videokonferenz (via Zoom) stattfinden. Interessierte BürgerInnen können sich am 26.02.2021 ab 17:30 Uhr (Veranstaltungsbeginn 18:00 Uhr) live dazuschalten und Fragen stellen/ Impulse geben. Technische Voraussetzungen bilden ein Computer oder Laptop sowie eine schnelle und stabile Internetverbindung. Für die Teilnehmenden, die mit Zoom nicht vertraut sind, wird auf der Webseite eine Schritt-für-Schritt Anleitung angeboten.  Die Teilnehmerzahl ist aus technischen Gründen auf 100 begrenzt. Das Gespräch wird aber aufgezeichnet und anschließend unter www.sprungbrett-riesa.de/zeitthemen öffentlich zugänglich gemacht.

Zum Auftakt dürfen wir Dirk Neubauer begrüßen. Der 1971 geborene Hallenser schlug 1993 zunächst den Weg in den Journalismus ein und war rund zehn Jahre als Reporter und später Geschäftsführer eines lokalen Fernsehsenders tätig. Nach zwei Jahren als Marketingchef bei MDR Jump und Sputnik wechselte er in die Selbstständigkeit. 2013 trat er zur Bürgermeisterwahl in Augustusburg an, weil er gegen die Intransparenz, Politikverdrossenheit und das Gefühl der Verlorenheit in seiner Stadt aktiv werden wollte. Er wurde gewählt. In seinem 2019 im DVA-Verlag erschienenen Buch „Das Problem sind WIR – ein Bürgermeister in Sachsen kämpft für die Demokratie“ beschreibt er sehr nachvollziehbar und in verständlich einfachen Worten seine Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erkenntnisse als Mensch, der mit Herz und Seele für ein funktionierendes Gemeinwesen kämpft, Menschen beteiligen will und den offenen demokratischen Diskurs in der Kommunalpolitik sucht. Dabei stößt er auf Befindlichkeiten und viel Bürokratie in allen Ebenen des politischen Alltags und auf BürgerInnen, die sehr wohl die Schieflagen in der momentanen Gesellschaft und Politik spüren und auch artikulieren. „Leider, so schreibt er, fällt das momentane politische Beben in eine Zeit, in der Fakten oft nichts und Inhalte noch weniger zählen und in der das Meckern auf der bequemen Couch mehr wiegt als mühsames Verändern. So verwandelt sich Wut in eine sehr gefährliche Waffe.“ Die Ursachen für eine solche Haltung sieht er in erster Linie im völlig falschen Politikansatz der letzten Jahre. Politik suggeriere sehr oft, dass sie die Probleme der BürgerInnen aufnehmen und sich kümmern werde. Politik versorgt ohne zu beteiligen. Dieses „Sich Kümmern“ der Politik, so sein Fazit, hat nicht zur Aktivierung und Eigenverantwortung der BürgerInnen beigetragen und somit das Rückgrat der Demokratie stark geschwächt. Mit interessanten Formaten versucht er in der Kleinstadt Augustusburg Wege einer aktiven Bürgerbeteiligung zu gehen. In seinem Buch reflektiert er auch über mögliche Ursachen, warum gerade im Osten mehrheitlich BürgerInnen das Gefühl des Verlierers und des Fremdbestimmt seins haben und führt dies auf gravierende politische Fehler nach 1989 zurück. Als erfahrener Journalist beschreibt er die neuen Gefahren und Herausforderungen durch die digitalen Netzwerke, in denen sich nur Gleichgesinnte gegenseitig bekräftigen, nicht der auf sauberen Quellen basierende Diskurs gesucht wird und so ein spaltendes Freund-Feind-Denken entsteht.

Der letzte Abschnitt im fünften und letzten Kapitel trägt die Überschrift: „Wir sind eine Gesellschaft in Ausbildung, nicht nur im Osten.“  Er ist überzeugt, dass das politische System – entgegen landläufiger Meinung – von innen heraus zu verändern ist, und dass wir wieder lernen können, was es heißt, Eigenverantwortung zu tragen, statt sie an den Staat abzugeben.

Ein spannendes und lesenswertes Buch. Die von Dirk Neubauer aufgeworfenen gesellschaftlichen Fragen und Thesen, dürften angesichts der zu erwartenden finanzpolitischen Nachwirkungen der Corona-Krise noch drängender werden. Sie  könnten aber auch Handlungsalternativen aufzeigen, um die Krise als Chance zur Korrektur bisheriger Fehlentwicklungen zu nutzen. Grund genug für die Organisatoren mit Dirk Neubauer Kontakt aufzunehmen und im Gespräch mit ihm und interessierten RiesaerInnen, egal welcher politischen und religiösen Richtung direkt zu sprechen.

 

Schauen Sie vorbei und lassen Sie sich einladen zu einem spannenden Gespräch mit Dirk Neubauer.

Posted on: 5. Februar 2021Kunze

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